Kann man abgelaufene Gewürze noch essen?

Gewürze liefern dem Essen beim Kochen erst so richtig Pep. Auf die richtige Dosierung kommt es an. Doch wie lange behalten Gewürze eigentlich ihren Geschmack? Sind Gewürze noch essbar, wenn sie abgelaufen sind? Und können sie vielleicht sogar giftig werden? myHOMEBOOK hat bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) nachgefragt.     

Gewürze und getrocknete Kräuter haben nicht nur einen geschmacklichen Vorteil: Sie helfen, weniger Salz ins Essen zu streuen. Davon nehmen Menschen schon viel zu viel über verschiedene Quellen auf. Die Folge kann vor allem ein höheres Risiko für Bluthochdruck sein, der auf Dauer unbemerkt zum Herzinfarkt oder Schlaganfall führt.

Gewürze in verschiedenen Formen

Kochfans nutzen Gewürze in allen Formen, gemahlen, unzerkleinert oder ganz frisch aus dem kücheneigenen Kräutergarten. Grundsätzlich sind getrocknete und gemahlene Gewürze im praktischen Streuer lange, aber nur begrenzt haltbar. „Verbraucher sollten bei gemahlenen Gewürzen nur kleine Einheiten kaufen. Diese anschließend am besten in saubere, luftdichte Behälter umfüllen und dunkel sowie trocken lagern“, empfiehlt eine Mitarbeiterin des BZfE, falls die Gewürze nicht bereits in einem solchen Behälter stecken. Denn durch den Mahlprozess verlieren Gewürze bereits nach wenigen Monaten ihre Würzkraft.

Deswegen lohnt es sich schon aus aromatischen Gründen, Ingwer, Kardamom, Muskatnuss, Pfefferkörner und Zimtstangen unzerkleinert zu kaufen. „Durch das bedarfsgerechte Mahlen entsteht mehr Oberfläche, die mit Sauerstoff reagieren kann. Dieser Prozess setzt die in den unzerkleinerten Gewürzen eingeschlossenen ätherischen Öle und andere Aromastoffe frei“, erklärt die BZfE-Sprecherin.

Gleichzeitig ist es günstiger für die Haltbarkeit, wenn die Gewürze in unzerkleinerter Form vorliegen. Die meisten Gewürze halten dann bis zu vier Jahre. Anis, Dillsamen, Korianderkörner oder Nelkenblätter sind bis zu fünf Jahre genießbar.

Falsche Lagerung senkt Haltbarkeit

Sehr häufig verringert die falsche Lagerung den Würzgenuss. An dieser Stelle geht die Kritik an die Küchenplaner. Denn in vielen Küchen landen die Gewürze in einem kleinen Schränkchen oberhalb der Kochstelle. „Neben oder über dem Herd, wo Wasserdampf aufsteigt, ist kein guter Lagerort“, weiß die BZfE-Sprecherin und rät: „Gewürze besser etwas abseits von Feuchte und Wärme in einem Schrank oder in einer Schublade deponieren.“

Dabei geht es nicht nur um sich verflüchtigende Aromen, sondern tatsächlich auch um die eigene Gesundheit. Denn in Gewürzen können sich Bakterien befinden, die sich in einem feuchten und warmen Umfeld rasant vermehren. Gerade bei der Zubereitung von Salaten oder anderen Gerichten, die anschließend nicht mehr erhitzt werden, können die Folgen unangenehme Verdauungsprobleme sein.

Hygiene spielt beim Kochen eine gewichtige Rolle. Die allseits sehr beliebten TV-Kochsendungen dienen in diesem Zusammenhang nicht immer als gute Vorbilder. Die BZfE-Sprecherin verweist auf eine Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) mit dem Titel „Küchenhygiene im Scheinwerferlicht“. „Das BfR hat darin aufgezeigt, was TV-Köche bei der Essenszubereitung alles falsch machen. Der Griff mit den Händen in den Salz- oder Gewürzbehälter war ein Fehler.“

Finger weg

Deswegen die Hände am besten aus dem Gewürzbehälter lassen und einen Löffel oder einen Streuer zum Würzen verwenden. Dann nicht mit den Gewürzen direkt über den dampfenden Töpfen oder Pfannen hantieren, sondern besser seitlich dem Gericht zufügen. „Denn sonst kommt Feuchtigkeit in den Streuer oder Behälter, was die Haltbarkeit herabsenkt.“

Ob das edelsüße Paprikapulver oder der gemahlene Rosmarin auch zwei Jahre nach Ablauf der Mindesthaltbarkeit noch genießbar ist oder eher ein Fall für die Mülltonne, lässt sich per Geschmacks- und Geruchstest überprüfen. Hier gelten dieselben Faktoren wie bei jedem anderen Lebensmittel, dessen Lebensdauer laut Aufdruck bereits überschritten ist:

  • Sieht das Gewürz aus wie immer oder sind Flecken, Schädlinge, Flocken, Schimmel, faule oder schmierige Stellen erkennbar?
  • Riecht das Gewürz wie immer oder steigt es muffig, ranzig, faulig oder unangenehm in die Nase?
  • Schmeckt das Gewürz wie immer oder eher ranzig, muffig, schal, untypisch bitter oder irgendwie verändert?

Abschließend rät das BZfE, die eigenen Gewürzvorräte regelmäßig zu überprüfen und besonders alte Schätzchen auszusortieren. Allein von der Würzkraft dürfte davon nicht mehr viel zu erwarten sein.

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