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Veränderte Sicherheitslage: Sei bereit, Kreis Pinneberg! So bereiten Sie sich richtig auf den Krisenfall vor

Ein gut gefüllter Notfallrucksack und ein batteriebetriebenes Radio gehören zu einer Krisenvorsorge nach Ansicht von Fachleuten unbedingt dazu. Das ist aber nicht alles.
Ein gut gefüllter Notfallrucksack und ein batteriebetriebenes Radio gehören zu einer Krisenvorsorge nach Ansicht von Fachleuten unbedingt dazu. Das ist aber nicht alles. Foto: Claudia Ellersiek (KI-generiert)

Vor dem Hintergrund einer veränderten Sicherheitslage fordert der Kreis Pinneberg die Bürger verstärkt dazu auf, sich auf eine Krisensituation vorzubereiten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen und sagen, wie man das macht.

Ein länger anhaltender Stromausfall, Hochwasser und Überschwemmungen, hybride Angriffe – der Kreis Pinneberg bereitet sich intensiv auf mögliche Krisen vor. Die Szenarien haben sich leicht verändert: Es geht längst nicht mehr allein um die Folgen des Klimawandels, sondern auch um hybride Angriffe wie Cyberattacken, Desinformationskampagnen, verdeckte Operationen, Propaganda. Vor diesem Hintergrund wirbt die Verwaltung nun verstärkt für private Krisenvorsorge.

Und greift dafür auch auf analoge Mittel zurück: 173.000 Haushalte im Kreis Pinneberg bekommen in diesen Tagen einen Flyer mit der Post zugeschickt. Der Inhalt: Tipps für eine Vorratshaltung, wie sie bei vorangegangenen Generationen noch an der Tagesordnung war. „Wir müssen erst wieder ein Bewusstsein dafür schaffen, weil wir das bislang nicht hatten“, erklärt Robert Schwerin, Leiter des Fachbereichs Bevölkerungsschutz im Kreis Pinneberg. Unsere Redaktion beantwortet die wichtigsten Fragen im Überblick.

Der oberste Bevölkerungsschützer im Kreis Pinneberg, Robert Schwerin (von links), Landrätin Elfi Heesch und Dimitri Voß, Wehrführer in Bevern, werben für eine private Krisenvorsorge.
Der oberste Bevölkerungsschützer im Kreis Pinneberg, Robert Schwerin (von links), Landrätin Elfi Heesch und Dimitri Voß, Wehrführer in Bevern, werben für eine private Krisenvorsorge. Foto: Claudia Ellersiek

Welche Folgen hat ein größerer Stromausfall?

Ein großflächiger, länger andauernder und unvorhergesehener Stromausfall wird auch Blackout genannt. Die Folge:

  • kein Licht: Gebäude bleiben dunkel, Straßenbeleuchtung und Ampeln fallen aus
  • keine Kommunikation: Internet, Notrufe, Mobilfunk- und Telefonnetze funktionieren nicht
  • keine Heizung: Heizungsanlagen und Wärmepumpen fallen aus
  • kein Wasser: Duschen, Kochen, WC-Spülung sind betroffen, Trinkwasserversorgung ist zumindest eingeschränkt
  • keine Kühlung: Kühl- und Gefrierschränke zu Hause und in Supermärkten fallen aus
  • keine Versorgung mit Lebensmitteln: geschlossene Läden und Apotheken, kein bargeldloses Bezahlen möglich
  • Mobilität eingeschränkt: Busse und Bahnen fahren nicht, Zapfsäulen an Tankstellen funktionieren nicht
  • kein Bargeld: Geldautomaten fallen aus, Bankfilialen bleiben geschlossen

Auch interessant: Viele Rettungskräfte im Kreis Pinneberg haben Doppelfunktionen: Stehen im Ernstfall genug Helfer bereit?

Haltbare Lebensmittel, Wasser, Medikamente, Batterien und eine Taschenlampe sind nach Einschätzung von Katastrophenschützern sinnvolle Bestandteile einer Vorratshaltung.
Haltbare Lebensmittel, Wasser, Medikamente, Batterien und eine Taschenlampe sind nach Einschätzung von Katastrophenschützern sinnvolle Bestandteile einer Vorratshaltung. Foto: Claudia Ellersiek (KI-generiert)

Was gehört in einen privaten Notfallvorrat?

Wer für einen Krisenfall vorsorgen möchte, sollte seinen Haushalt so planen, dass er sich mindestens drei Tage selbst versorgen kann. Das gehört nach Ansicht von Katastrophenschützern in die Vorratskammer:

  • ltbare Milch, Nudeln, Knäckebrot und Zucker, außerdem Futter für Haustiere
  • Medizin: persönliche Medikamente und alles aus der Hausapotheke, Erste-Hilfe-Kasten; dabei auch an Haustiere denken
  • Körperpflege: Toilettenpapier, Hygieneartikel, Seife
  • Zahlungsmittel: Bargeld in kleinen Scheinen und Münzen
  • Energie: Kerzen, Zündhölzer, Brennholz, Batterien, Campingkocher und Brennpaste
  • Technik: batterie- oder solarbetriebenes Radio

Wo gibt es Hilfe im Notfall?

Im Krisenfall können Menschen, die sich oder andere in Gefahr sehen, die Feuerwehr über die Nummer 112 oder die Polizei unter der Nummer 110 anrufen. Das sollte allerdings nur genutzt werden, wenn es wirklich ernst ist, wie es in dem Flyer heißt. Hintergrund: Im Krisenfall sind die Einsatz- und Rettungskräfte im Dauereinsatz. Wenn Telefonieren nicht möglich ist, können Bürger in einem der Notfall-Infopunkte einen Notruf absetzen.

Weiterlesen: Krieg, Krise, Katastrophe – diese fünf Dinge sollten alle Rellinger im Notfall wissen

Wo gibt es Notfall-Infopunkte und was bieten sie?

Notfall-Infopunkte sind Meldestellen für Notrufe, Anlaufstelle für Informationen über die aktuelle Krisenlage und je nach Ausstattung auch für eine medizinische Erstversorgung. Tipp der Kreisverwaltung: Notfall-Infopunkte nicht überlasten und nur mit maximal zwei Mitgliedern einer Familie dort auftauchen. Eine interaktive Karte mit den Standorten der Notfall-Infopunkte gibt es hier.

Wenn der Strom ausfällt, wird es dunkel in den Städten und auf den Dörfern. Wer dann Kerzen und Streichhölzer im Haus hat, kann sich behelfen. Auch ein griffbereites Notizbuch und ein Stift können in einer Krisenlage sinnvoll sein.
Wenn der Strom ausfällt, wird es dunkel in den Städten und auf den Dörfern. Wer dann Kerzen und Streichhölzer im Haus hat, kann sich behelfen. Auch ein griffbereites Notizbuch und ein Stift können in einer Krisenlage sinnvoll sein.

Wie kommt die Information über eine Krisenlage zu mir?

Die Bevölkerung wird unter anderem über die Nina-Warn-App und die Katwarn-App unterrichtet, die man sich beide kostenlos im App-Store herunterladen kann. Wenn der Mobilfunk funktioniert und das Betriebssystem des Smartphones aktuell ist, gibt es außerdem entsprechende Direktnachrichten auf das Handy. Cell Broadcast heißt dieser Service. Deutschlandfunk, NDR Info, NDR 1, R.SH und Radio Hamburg informieren fortlaufend. Die akustische Alarmierung oder Warnung wird durch die Sirenen sichergestellt.

Das Foto zeigt, welche Lebensmittel besonders lange haltbar und damit für die Vorratshaltung geeignet sind.
Das Foto zeigt, welche Lebensmittel besonders lange haltbar und damit für die Vorratshaltung geeignet sind. Foto: Katja Wohlers/Kreis Pinneberg

Wo finde ich Wissenswertes zu Krisenvorsorge und Katastrophenschutz?

Immer aktuell sind die Webseiten der Gemeinden, Ämter und Städte. Alles, was Bürger wissen sollten, hat der Kreis Pinneberg auf der Webseite „Sei bereit“ zusammengefasst. Und schließlich kann die Internetseite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hilfreich sein.